Startschuss Teil 3: Konkrete ETF-Auswahl

Nachdem Teil 1 der Startschuss-Serie (hier klicken!) die grundsätzlichen Überlegungen und Teil 2 (hier klicken!)  die Aufteilung zwischen den ETFs thematisiert hat, soll es im dritten Teil nun um die Auswahl der konkreten ETFs sowie deren Eigenschaften gehen. 

 

In Teil 2 der Serie hatte ich zwar beschrieben, dass ich eine Aufteilung zwischen MSCI World, MSCI Emerging Markets und STOXX Europe 600 wähle. Nun gibt es jedoch von diesen wiederum jeweils mehrere konkrete ETFs verschiedener Vermögensgesellschaften und nicht nur einen. Diese haben jeweils verschiedene Eigenschaften, sodass man sich darüber klar werden muss, welche Eigenschaften man persönlich bevorzugt. Dabei gibt es kein falsch oder richtig. 

 

Was genau ist mit "Eigenschaften" gemeint?

Spricht man von den Eigenschaften eines ETFs, so ist meist folgendes gemeint: 

  • ausschüttend vs. thesaurierend
  • vollständig replizierend vs. optimiertes sampling vs. synthetisch replizierend (Swap-ETFs)
  • steuereinfach vs. steuerhässlich

ausschüttend vs. thesaurierend

Diese zwei Eigenschaften unterscheiden sich darin, dass bei ausschüttenden ETFs die Erträge regelmäßig "ausgeschüttet" werden, also auf das Referenzkonto ausgezahlt werden und anschließend wieder in die ETFs eingezahlt werden können (sollten!). 

Thesaurierende ETFs hingegen legen die "Gewinne" automatisch direkt wieder an, es erfolgt also keine Auszahlung der Erträge. Die Ausschüttungen sollten in jedem Falle wieder erneut in die ETFs investiert werden, da wir vom Zinseszinseffekt profitieren wollen und das Geld langfristig anlegen möchten.

Daraus könnte man folgern, dass Thesaurierer die bessere Wahl sind, wenn diese mir doch die Arbeit abnehmen, das Geld selbst wieder zu reinvestieren.

 

Dabei sollte man jedoch die Besteuerung beachten: bei ausschüttenden ETFs fallen auf jede Ausschüttung 25% Kapitalertragssteuer sowie der Solidaritätszuschlag an, jedoch beachtet die Depotbank von euch gestellte Freistellungsaufträge bis zu einer Höhe von 801€ (vgl. §§ 32d Abs. 1, 20 Abs. 1 und 9, 44a Abs. 2 EStG).

Bei thesaurierenden ETFs fallen hingegen zu versteuernde ausschüttungsgleiche Erträge an. Diese müssen dann in der Steuererklärung angegeben werden, sofern das Fondsdomizil nicht Deutschland ist, denn in letzterem Falle führt die inländische Bank die Kapitalertragssteuer automatisch ab (vgl. § 44 Abs. 1 EStG). Bei ausländischen, thesaurierenden ETFs besteht außerdem zusätzlich die Gefahr der Doppelbesteuerung: wollt ihr nach beispielsweise 20 Jahren den ETF veräußern, so wird der gesamte Veräußerungsgewinn erneut besteuert (§ 20 Abs. 2 S. 1 Nr. 1 EStG). Dass ihr jedoch die ausschüttungsgleichen Erträge in den vorangegangenen Jahren bereits brav besteuert habt, wird zunächst nicht berücksichtigt. Dies müsst ihr dann in der Steuererklärung darlegen und belegen. Das heißt man benötigt die entsprechenden Unterlagen der letzten 20 Jahre, was relativ aufwendig sein kann.

Bei inländischen thesaurierenden ETFs tritt das Problem der Doppelbesteuerung hingegen nicht auf, da die Bank, bzw. Investmentgesellschaft in diesem Falle den Verkaufsgewinn um die bereits während der Besitzzeit beim Anleger versteuerten thesaurierten Erträge verringern muss, bevor sie die Kapitalertragssteuer einbehält (vgl. § 8 Abs. 5 S. 3 InvStG).

 

Anders sieht es wiederum bei einem swappenden, thesaurierenden ETF aus: in diesem Falle entstehen keine zu besteuernden ausschüttungsgleichen Erträge. Die automatische Wiederanlage der Dividenden erfolgt dann steuerfrei und eine Besteuerung fällt erst bei Veräußerung der ETFs an. Dadurch profitiert man vom Effekt der Steuerstundung, verzichtet jedoch auf die Ausnutzung des jährlichen Steuerfreibetrages.

 

Doch halt! Jetzt driften wir bereits zu sehr in die Themen "steuereinfach und steuerhässlich" ab, dabei sollte es zunächst nur um "ausschüttend vs. thesaurierend" gehen. Also kommen wir auf die Steuerthematik später noch einmal zurück und konzentrieren uns im nächsten Abschnitt auf die Eigenschaft "vollständig replizierend vs. optimiertes sampling vs. synthetische Replikation (Swap-ETFs)".

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vollständig replizierend vs. optimiertes sampling vs. synthetische replikation (Swap-ETF)

Bei der vollständigen Replikation kauft ihr die vollständigen Titel des entsprechenden Indexes ein. Investiert man beispielsweise in einen vollständig replizierenden MSCI Emerging Markets, so werden auch wirklich die in diesem Index enthaltenen Werte im entsprechenden Verhältnis gekauft.

 

Beim optimierten sampling werden hingegen nicht alle Werte gekauft, sondern lediglich ein bestimmten Kriterien folgender Teil des Indexes. So soll sicher gestellt werden, dass ausreichend Werte des Indexes gekauft werden, um diesen repräsentativ abzubilden. Dadurch entstehen für den ETF-Anbieter geringere Transaktionskosten, was sich gegebenenfalls auch in geringeren Gebühren für den Anleger niederschlägt.

 

Bei der synthetischen Replikation wird der Index durch ein Swap-Geschäft (Tauschgeschäft) des ETF-Anbieters mit einem Finanzinstitut abgebildet: dieses versucht, die Rendite des Indexes nachzubilden oder sogar zu schlagen, in dem es in andere Wertpapiere investiert. Somit soll zwar die Rendite des ETFs in den man investiert, erzielt werden, nur eben mit teilweise völlig anderen Werten als die, in die man eigentlich als Anleger investieren wollte. Dafür können Swap-ETFs dahingehend punkten, dass sie durch ihre flexibleren Anlegemöglichkeiten manche Indizes besser abbilden können. Auch steuerliche Vorteile können sich ergeben.

 

steuereinfach vs. steuerhässlich

Zunächst einmal gilt es zu klären, was generell mit den Begriffen "steuerhässlich" und "steuereinfach" gemeint ist:

 

Ganz einfach ausgedrückt habt ihr bei einem steuereinfachen ETF keinerlei Aufwand bei der Steuererklärung. Bei steuerhässlichen ETFs müsst ihr hingegen in der Steuererklärung Angaben zu den Erträgen aus euren Wertpapiergeschäften machen.

Man kann nicht pauschal sagen, welche ETFs steuerhässlich und welche steuereinfach sind. Es kommt dabei immer auf den individuellen ETF an.

 

Eine sehr aufschlussreiche Grafik dazu gibt es aus dem Wertpapier-Forum, die angepasst  im Blog sauerkrautundzaster.de zu finden ist und die ich hier nochmals darstellen möchte:

 

Quelle: sauerkrautundzaster.de
Quelle: sauerkrautundzaster.de

In diesem Schaubild ist auch gut zu sehen, dass ein ausländischer, synthetisch replizierender (Swap), thesaurierender ETF vom Steuerstundungseffekt profitiert: die automatisch wieder angelegten Gewinne (thesaurierend) eines ETF mit diesen Eigenschaften werden nicht besteuert, da Gewinne aus Derivatgeschäften (Swap) nicht besteuert werden. Das hat dann quasi eine Auswirkung wie ein doppelter Zinseszinseffekt. Jedoch hat man diesen im Grunde genommen auch, wenn man auf ausschüttende ETFs setzt, den Steuerfreibetrag noch nicht ausgeschöpft hat und die Gewinne direkt wieder reinvestiert (was ohnehin ratsam ist).

 

Ein lustiger und anschaulicher Vergleich zwischen ausländischen, physisch replizierenden, thesaurierenden ETFs und ausländischen, synthetisch replizierenden, thesaurierenden ETFs liefert der Finanzwesir in seinem Blog:

 

>> Ausländische Thesaurierer, die nicht swappen, schnappen sich einfach die Dividenden und legen sie wieder an. Fertig.

 

Der deutsche Staat sieht das und sagt: "Da sind Dividenden. Ich will ein Viertel davon abhaben."
Sagt der Fonds: "Schleich Dich! Klär das mit dem Anleger."
Kommt der Staat zu Ihnen und sagt: "Kollege, Du schuldest mir ein Viertel der Thesaurierung."

 

Immer auf die Kleinen, ich weiß. <<

 

(Anmerkung Zinskraft: bei nicht-swappenden thesaurierern ergibt sich auch das Problem der Doppelbesteuerung, das ich im obigen Abschnitt bereits beschrieben habe).

 

>> Nur zum Vergleich, bei einem Swap-Thesaurierer sieht der Dialog so aus:

 

Der deutsche Staat schnuppert herum und sagt: "Ich rieche Dividenden, wo sind sie, ich will ein Viertel davon abhaben."
Der Fonds wirft schnell den aus Hogwarts bekannten Unsichtbarkeits-Mantel "Derivat-Geschäft" über die Dividenden und sagt: "Dividenden? Die gibt‘s hier nicht. Muss ein Irrtum sein."
Der Staat brummelt misstrauisch herum wie Argus Filch, muss dann aber unverrichteter Dinge wieder abziehen. <<

(Quelle: http://www.finanzwesir.com/blog/etf-thesaurierend-ausschuettend).

 

Der Finanzwesir nennt in seinem Blog jedoch auch einen Nachteil: da bei dieser Konstellation die Besteuerung erst bei der Auszahlung nach z.B. 20 Jahren stattfindet, kann es - je nach der aktuellen politischen Lage - sein, dass der Staat mehr Geld braucht und entscheidet, dass Kapitaleinkünfte mit dem persönlichen Steuersatz belegt werden. Zudem schöpft man möglicherweise seinen Steuerfreibetrag nicht aus, es sei denn, man hat entsprechend viel Vermögen auf Tages- oder Festgeldkonten.

 

Dieser "zukünftigen Gefahr" kann man dann wiederum entgehen, indem man auf ausschüttende ETFs setzt und seine Steuern bereits heute berappt.

Um diese gesamte Thematik noch besser zu verstehen, empfehle ich folgende Lektüre:

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Wichtige Erkenntnis

Man sieht also schon: bei keiner dieser drei besprochenen Eigenschaften kann eine pauschale Empfehlung ausgesprochen werden, bzw. es kann nicht gesagt werden, dass eine bestimmte Konstellation besser oder schlechter als eine andere ist.

 

Es kommt auf die persönlichen Vorlieben an. Bin ich jemand, der keine Probleme mit Papierkram und etwas mehr Aufwand bei der Steuererklärung hat, spielt das Thema steuerhässlich/steuereinfach eine geringere Rolle.

Habe ich hingegen kein Problem damit, die regelmäßigen Ausschüttungen selbst wieder zu reinvestieren, habe jedoch keine Lust auf das Steuerthema, so sollte ich einen vollständig replizierenden, ausschüttenden ETF bevorzugen (wobei auch bei den ausschüttenden ETFs darauf geachtet werden muss, dass die Ausschüttungen >40% der ausschüttungsgleichen Erträge betragen. Ob dies so ist, kann man im Bundesanzeiger nachlesen. Dazu gibt es in diesem Artikel im Wertpapier-Forum eine tolle Erläuterung).

Ist es mir egal, dass der ETF "swappt" und nicht die gesamten Titel des Index kauft, dafür jedoch eventuell eine bessere Performance liefert, setze ich auf synthetisch replizierende ETFs. Will ich hingegen, dass möglichst alle Titel des Indexes auch wirklich gekauft werden, setze ich auf vollständig replizierende ETFs.

 

Für was habe ich mich entschieden?

Nach vielem Recherchieren und Überlegen habe ich mich dazu entschlossen, dass die ETFs in die ich investiere möglichst

  • ausschüttend
  • vollständig replizierend
  • steuereinfach

sein sollen.

 

Ausschüttend, da ich den Steuerfreibetrag ausnutzen möchte, was (v.a. da ich verheiratet bin) noch eine Weile dauern kann. Zudem kann ich die regelmäßigen Ausschüttungen direkt für das Rebalancing hernehmen, also für die Korrektur der Anteile meiner ETFs. Außerdem denke ich, dass es motiviert, wenn man regelmäßig das Geld auf sein Konto einfließen sieht (auch wenn man es dann direkt wieder reinvestiert).

 

Vollständig replizierend, da mir nicht wohl bei dem Gedanken ist, dass meine Investitionen "weggeswappt" werden und ich diese Vorgehensweise auch nicht hundertprozentig durchschaue. Zudem soll es letztlich eine möglichst "sichere" Anlage für die Altersvorsorge sein. Von daher möchte ich auch wirklich die Aktien halten, die im Index stehen.

 

Steuereinfach, da es einfach weniger Aufwand bedeutet und ich passende ausschüttende, vollständig replizierende ETFs gefunden habe, die (momentan) steuereinfach sind (das gilt es dann regelmäßig im Bundesanzeiger zu prüfen, wie oben beschrieben).

 

Diesen Kriterien folgend habe ich dann im Internet nach passenden ETFs recherchiert und habe mich letztlich auf folgende konkrete ETFs festgelegt:

  • UBS MSCI World UCITS ETF (ISIN: LU0340285161) zu ca. 50%
  • HSBC ETF SICAV MSCI Emerging Markets (ISIN: DE000A1JXC94) zu ca. 30%
  • iShares STOXX Europe 600 UCITS ETF (ISIN: DE0002635307) zu ca. 20%

Ich hoffe, mit dieser dreiteiligen Artikelserie meine Gedanken und Vorgehensweise für die Investition in ETFs verständlich dargelegt zu haben und dass es einigen von euch bei der Suche nach dem passenden ETF weiter hilft.

 

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