Sitzt die Technik? Filmt euch!

Dieses Thema ist mir im letzten Training in den Sinn gekommen, weil es aus verschiedenen Aspekten wichtig ist und oftmals falsch verstanden oder nicht korrekt eingesetzt wird. Und zwar soll es um das Thema „sich selbst im Training filmen“ gehen. Es gibt auf YouTube viele Tutorials für die korrekte Technik bei der Ausführung der Übungen. Viele davon sind sehr, sehr hilfreich, da in den unterschiedlichen Technikvideos oftmals jeweils auf andere wichtige Aspekte eingegangen wird. Dadurch kann man sich die wichtigsten Tipps und Kniffe aus den verschiedenen Videos ziehen und versuchen, sie in sein Training zu integrieren. Ich selbst habe alles in Sachen Technik der drei Übungen (Kniebeuge, Kreuzheben, Bankdrücken) aus sehr vielen YouTube-Videos gelernt.

Anders als manch anderer bin ich klar der Meinung: dazu braucht man nicht unbedingt einen Trainer und schon gar keine „Trainer“ aus einem herkömmlichen Fitness-Studio, die oftmals grausig falsche Technik verbreiten. Stattdessen solltet ihr euch in jedem Falle lieber selbst damit auseinandersetzen und euch Technikvideos von Strengthcoaches, die wirklich Ahnung haben, zu Gemüte führen. Gerade aus dem amerikanischen Raum gibt es da einiges, beispielsweise „CanditoTrainingHQ“ oder „supertraining06“. Aber auch „Thetysonfitness“ ist für einen deutschen Kanal super gut. Empfehlen kann ich von ihm für die Technik konkret beispielsweise folgende Videos:

 

In diesen paar Videos sind haufenweise wertvolle Tipps für die verschiedenen Beuge- und Hebevarianten enthalten und man bekommt auch super die Unterschiede zwischen High Bar-Beuge und Low Bar-Beuge erklärt.

 

Aber nun zum Thema „sich filmen“.

Der zweite Schritt

Nachdem ihr euch also zahlreiche gute (!) Technikvideos angesehen habt, wollt ihr die Technik nun natürlich anwenden. Und hier kommt der immens wichtige Faktor hinzu, sich selbst zu filmen und zwar aus verschiedensten Winkeln und Positionen und möglichst oft. Das ist aus zwei Gründen wichtig. Einerseits natürlich um eure Technik zu prüfen. Haltet ihr die Spannung richtig? Wie ist der Bewegungsablauf? Geht ihr bei der Beuge tief genug? Was fällt euch sonst auf? Worauf müsst ihr verstärkt achten? 

Der Vorteil beim Video ist, dass ihr die Technik im Nachhinein bei Bedarf 100 mal anschauen könnt, an verschiedenen Punkten pausieren könnt und auch alles mal in Zeitlupe abspielen könnt. Diese Vorgehensweise ist schlichtweg erheblich genauer und effizienter als wenn man einfach einen Buddy fragt „und, hat Technik gepasst, oder?“. Sehr aufschlussreich ist das Filmen von der Seite auf Hüfthöhe. Denn aus dieser Position seht ihr beim Kreuzheben genau, ob euer Rücken zu sehr einrundet (kyphos wird). Bei der Beuge seht ihr genau, ob ihr tief genug geht und ob ihr mit guter Form beugt, oder ob der Kniebeuge eher einem „Squatmorning“ (Mischung aus Kniebeuge und Good Morning, wenn die Hüfte zuerst hochschießt) gleicht, oder ob beispielsweise eure Fersen vom Boden abheben. Ihr könnt das Video immer und immer wieder ansehen und jedes Mal auf andere Aspekte achten. Das ist enorm hilfreich!

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Ein weiterer Grund für das Filmen

Der zweite Grund tritt eher auf den Plan, wenn eure Technik schon sitzt und ihr einen Trainingsplan habt, der auf Autoregulation basiert. Das heißt ihr habt keine festen, vorgegebenen Gewichte, sondern wählt das Gewicht beispielsweise nach dem „Barspeed“, also nach der Geschwindigkeit, mit der ihr das Gewicht bzw. die Hantel bewegt habt.

Beispielsweise macht ihr in der Kniebeuge 6 Wiederholungen mit 100kg und filmt euch dabei. Ihr schaut das Video an und seht, dass das noch sehr easy ging. Ihr erhöht also auf 110kg und macht wieder 6 Wiederholungen. Im Video seht ihr dann, dass die schon schwerer waren, aber noch etwas Luft ist. Also erhöht ihr auf etwa 115kg und macht wieder 6 Wiederholungen. Ihr schaut euch wieder das Video an und seht, dass die letzten zwei Wiederholungen schon sehr langsam gingen und nicht mehr viel mehr gegangen wäre. Also belasst ihr es bei dem Gewicht und macht die weiteren Sätze ebenfalls mit 115kg. 

Verblüffend ist dann auch oftmals, dass sich ein Satz sehr schwer anfühlt und ihr euch denkt, dass das Gewicht im nächsten Satz eher nicht erhöht werden sollte. Dann schaut ihr euch aber das Video an und seht, dass der „Barspeed“ relativ hoch war, das Gewicht also noch sehr schnell bewegt wurde. Euer Gefühl scheint euch also einen Streich gespielt zu haben und ihr erhöht nochmal leicht das Gewicht für den kommenden Satz.

 

Oft missverstanden

Das „Problem“, das sich beim Filmen oftmals ergibt ist, dass man sich manchmal scheut, sein Handy für die Aufnahme zu positionieren oder jemanden zu bitten, dass er dich filmt. Oftmals kommt dann der Gedanke auf, dass andere denken „oh der fühlt sich so toll und stark... wie peinlich sich selbst zu filmen... so ein Angeber, der will das dann sicher ins Internet stellen und bewundert werden“. 

Das gilt es einfach zu missachten. In einem Punkt stimmt es ja sogar: einen Teil der Aufnahmen stelle ich beispielsweise bei Instagram rein. Das ist sicherlich auch ein Grund. Jedoch eben nicht der „Hauptgrund“. Vornehmlich geht es mir darum, meine Technik und den oben beschriebenen „Barspeed“ zu bewerten. Ich selbst verzichte auf das Filmen auch oftmals, wenn das Studio sehr voll ist oder ich mich zu „beobachtet“ fühle. Aber trotzdem sollte man sich regelmäßig filmen (v.a. von der Seite auf Hüfthöhe). 

Also, euch selbst zu filmen oder filmen zu lassen, kann ich nur empfehlen. Zudem macht mittlerweile jedes Smartphone super HD-Aufnahmen. Damit will ich sagen, dass ihr nicht wie früher eine fette Kamera oder eine Digi-Cam oder Camcorder mitschleppen und aufbauen müsst. Unauffällig hochqualitative Aufnahmen zu machen, ist heute kein Problem mehr. ;-) 

Für sehr gute Beschreibungen hinsichtlich Training & Technik empfehle ich außerdem folgende Lektüre:

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