Wofür brauchst du Geld?

Ein zugegebenermaßen seltsamer Titel für einen Artikel, denn selbstverständlich beantwortet sich diese Frage von selbst: um die Miete zu bezahlen und um mich zu ernähren, etc. Doch was ist mit allem, was darüber hinausgeht? Ich spreche von Konsum. Stellst du dir vor sowohl kleinen als auch vor größeren Käufen die Frage, ob du das Produkt wirklich brauchst? Macht es dich glücklicher?

 

Ich finde dieses Thema sehr interessant und halte es für sehr wichtig, sich damit auseinanderzusetzen. Nicht unbedingt wegen des Geldes, das man einspart, wenn man auf dies und jenes verzichtet. Vielmehr steht dahinter auch die viel größere Frage: was macht mich glücklich?

 

Eine andere Sichtweise

Geht man an die Sache mit der Fragestellung des Glücklichseins heran, so ergibt sich eine andere Sichtweise auf das Thema Konsum. Macht mich der Konsum von Elektronik, Autos, Urlauben etc wirklich glücklich? Aber wofür kann man denn sein Geld sonst ausgeben, wenn nicht für den Konsum? Natürlich kann man dann mit einem Teil des Geldes ETFs besparen, zum Beispiel wie ich es in meinen Artikeln zum Investieren beschrieben habe (hier nachzulesen). Aber welche Alternative gibt es noch? Nachdem ich ein wenig darüber nachgedacht hatte, war die Antwort ganz simpel: Zeit. 

Durch den Verzicht auf Konsum kann ich mir mit dem frei werdenden Geld theoretisch Zeit kaufen, indem ich weniger arbeiten muss. Mache ich mir beispielsweise nichts aus teuren Reisen, Autos, Kleidung und Elektronik, so brauche ich natürlich weniger Geld. Ich muss also weniger Geld verdienen, könnte theoretisch also 30 anstatt 40 Stunden arbeiten und habe mir somit (Frei)zeit gekauft.

 

Freizeit, Sparen oder Konsum?

Die Frage ist ganz einfach: was ist mir mehr wert, Freizeit oder Konsum? Macht es mich eher glücklich, wenn ich mir ein tolles Auto, einen Haufen neuer Kleidung, tolle Reisen und die neusten Elektronikartikel kaufe? Oder macht es mich glücklicher, wenn ich in dieser Hinsicht auf einiges verzichte und dafür mehr Freizeit habe, um meinen Hobbies nachzugehen, mehr Zeit zum Lesen, Spazieren gehen etc. habe? 

Oder bin ich jemand, der möglichst viel für später sparen will und deshalb gerne sowohl auf Konsum als auch auf Zeit verzichtet? Das ist sicher auch eine Frage, wie viele Hobbies jemand hat und wie viel Freude er an seiner Arbeit im Vergleich zur Freizeit hat.

Es ist natürlich klar, dass es Lebenssituationen gibt, in denen sich diese Fragen gar nicht stellen, da man viel arbeiten muss und trotzdem wenig für den Konsum und für das Sparen ausgeben kann. Damit meine ich beispielsweise Fälle, in denen Pflegekosten für Angehörige aufkommen, ein Haus gebaut wird oder einem die Kinder die Haare vom Kopf fressen. In diesen Fällen gilt es diese Zeit zu überbrücken. Früher oder später wird jedoch wieder mehr Geld zur Verfügung stehen und man steht wieder vor der Entscheidung Konsum oder Freizeit. 

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Weder das eine noch das andere

Wichtig ist mir zu sagen, dass ich persönlich weder für das eine noch für das andere Extrem plädiere. Meiner Meinung nach ist es vielmehr wichtig, sich grundsätzlich diesbezüglich zu hinterfragen und eine für sich passende Balance zu finden. Selbst wenn man komplett in die Richtung Konsum tendiert ist das okay. Nur sollte man reflektieren und sich klar werden, dass man mit jedem Kauf und mit jeder Entscheidung für eine Sache, sich gegen eine andere Sache entscheidet. Da wären wir beim Thema „Opportunitätskosten“. Diese sind wie folgt definiert:

„die Kosten für den entgangenen Nutzen oder Ertrag, der sich bei einem anderen Einsatz eines Gutes oder eines Produktionsfaktors als der tatsächlich gewählten Verwendung ergeben hätte“ (Quelle).

 

Die richtige Balance

Zur verbesserten Anschaulichkeit der drei Aspekte Konsum, Freizeit und Sparen habe ich ein Konsum-Freizeit-Sparraten-Dreieck erstellt. Innerhalb des Dreieckes kann man einen beliebigen Punkt wählen, je nachdem, welche Mischung der drei Aspekte auf einen persönlich zutrifft. Rot markiert, seht ihr meine bevorzugte Mischung: wie man sieht ist der Punkt von der „Konsumecke“ ein gutes Stück entfernt und tendiert zwischen Freizeit und Sparrate in Richtung Sparrate. Das spiegelt auch meine aktuelle Situation wider: ich bin noch relativ neu in meinem Job und werde sicherlich nicht gleich in Teilzeit gehen, zumal ich keine Kinder habe und es mich aktuell noch nicht stört, 40 Stunden pro Woche im Büro zu sein.

Konsumtechnisch ist es so, dass mir zur Zeit kaum Dinge einfallen, die ich wirklich gerne kaufen würde. Selbst wenn ich viel mehr Geld hätte, würde ich mir nichts Größeres kaufen. Ich habe aktuell eigentlich alles was ich brauche und möchte. Folglich möchte ich erst einmal einen größeren Teil des Geldes sparen. 

 

Wo befindest du dich momentan auf diesem Dreieck? Und bist du mit dieser Aufteilung zufrieden?

 „Es gibt ein großes und doch ganz alltägliches Geheimnis. Alle Menschen haben daran teil, jeder kennt es, aber die wenigsten denken je darüber nach. Die meisten Leute nehmen es einfach so hin und wundern sich kein bisschen darüber. Dieses Geheimnis ist die Zeit. Es gibt Kalender und Uhren, um sie zu messen, aber das will wenig besagen, denn jeder weiß, dass einem eine einzige Stunde wie eine Ewigkeit vorkommen kann, mitunter kann sie aber auch wie ein Augenblick vergehen – je nachdem, was man in dieser Stunde erlebt. Denn Zeit ist Leben. Und das Leben wohnt im Herzen.“ 

Momo, Michael Ende

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