Gedanken zur Kirchensteuer

Quelle: pixabay
Quelle: pixabay

In  der letzten Zeit habe ich mich, wie unschwer in diesem Blog zu erkennen ist, mit dem Thema Finanzen und Investieren auseinandergesetzt. Ein grundlegender Aspekt bevor über das Investieren nachgedacht werden sollte, ist, sich über seine monatlichen Ausgaben und Einnahmen im Klaren zu sein. Ich rate dazu, einfach einmal durchzurechnen, welche Ausgaben im Monat durchschnittlich anfallen und wie viel anschließend noch zum Sparen zur Verfügung steht (siehe dazu auch dieser Artikel). In diesem Zusammenhang stellt sich natürlich dann auch die Frage, ob man nicht an gewissen Stellen monatlich etwas einsparen könnte. Einen nicht unerheblichen Aspekt stellt dabei auch die Kirchensteuer dar, die je nach Bundesland 8% bis 9% der Einkommenssteuer beträgt. 

 

Nun möchte ich keine Grundsatzdiskussion zum Thema Kirche vom Zaun brechen und auch möchte ich nicht für oder gegen die Kirche plädieren. Was jedoch niemals schaden kann, ist, dich selbst zu hinterfragen und darüber nachzudenken, ob du wirklich ein Mitglied der Kirche sein möchtest und diese gerne unterstützen möchtest. Oder ob du die Steuer einfach nur zahlst, weil sie eben automatisch eingezogen wird und du zu faul bist, dich weiter damit zu beschäftigen. Denn betrachtet man die konkreten Zahlen, rechnet ein wenig herum und stellt vor allem Vergleiche an, so lässt sich schnell erkennen, dass es sich um relativ beträchtliche Beträge handelt. Diese dann nur zu zahlen, weil sie eben automatisch erhoben werden und man keine Lust hat, sich damit auseinanderzusetzen, halte ich für sehr fahrlässig. 

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Ein Beispiel

Das durchschnittliche Brutto-Jahresgehalt in Deutschland lag im Jahre 2015 laut statista.com bei 32.643 €. Nimmt man dieses Durchschnittsgehalt an und gibt dieses in der Berechnung zur Kirchensteuer auf „smart-rechner.de“ ein, ergibt sich eine durchschnittliche jährliche Kirchensteuer von 399,24 € (Annahme: ledig, keine Kinder, 9% Kirchensteuer). Also quasi 400 €. 

Kirchensteuer Berechnung
Berechnung der Kirchensteuer

Nun kann die Kirchensteuer in voller Höhe als Sonderausgabe in der Steuererklärung geltend gemacht werden (vgl. § 10 Abs. 1 Nr. 4 EStG). Da es mir darum geht möglichst genau zu zeigen, welche monetären Verluste konkret anfallen, sollte dieser Faktor berücksichtigt werden. 

Für unverheiratete wird ein Pauschalbetrag von 36 € vom zu versteuernden Einkommen abgezogen (vgl. § 10c EStG). Zusätzlich kann der Betrag an gezahlter Kirchensteuer, der über diese 36 € Pauschalbetrag hinausgeht, als Sonderausgaben angesetzt werden. 

In unserem Beispiel mit der durchschnittlichen Kirchensteuer von 400 € pro Jahr sind dies folglich: 400 € - 36 € = 364 €.

Auf diese 364 € ist nun der Grenzsteuersatz anzuwenden, der wiederum abhängig vom jährlichen Einkommen ist. Der Grenzsteuersatz beschreibt den Steuersatz der sich ergibt, wenn man eine Einheit mehr verdient, als zuvor. Er ist also bevorzugt anzuwenden, wenn Veränderungen oder Ersparnisse in der Besteuerung berechnet werden sollen.

Wie sich in folgendem Diagramm zeigt, liegt der Grenzsteuersatz für unser Durschnitts-Beispiel (32.643 € Brutto-Jahresgehalt, unverheiratet) bei etwa 32% (blaue gestrichelte Linie). 

 

Steuersatz Grenzsteuersatz
Steuersatz und Grenzsteuersatz Deutschland 2014; Quelle: Udo Brechtel, Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0 (https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=30707022)

Durch die Anwendung des Grenzsteuersatzes auf unsere zuvor berechneten 364 € Sonderausgaben ermitteln wir, wie viel Euro wir an Kirchensteuer zurückerstattet bekommen. Also los:

  • 364 € * 32% = 116,5 €

Ebenso verringert sich noch der Solidaritätszuschlag:

  • 116,5 € * 5,5% = 6,4 €

Insgesamt spart man also ein:

  • 116,5 € + 6,4 € = 123 €

Folglich ergeben sich jährliche reale „Kirchensteuerkosten“ von:

  • 400 € - 123 € = 277 €

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Eine egoistische Betrachtung

Im Jahr 2015 gab es neue Rekordwerte in den Einnahmen der Kirchen durch Kirchensteuer und das, obwohl es weniger Kirchenmitglieder gegeben hat. Zu erklären ist dies folglich durch höhere Einkommen. Die Einnahmen durch die Kirchensteuer betrugen im vergangenen Jahr 11,46 Milliarden Euro; eine ganz schöne Hausnummer.

 

Ich habe einmal durchgerechnet, was mit den oben berechneten, jährlichen 277 € Kirchensteuer passiert, wenn man aus der Kirche austritt und das Geld stattdessen richtig schön egoistisch in einen breit gestreuten Index wie den MSCI World anlegt. Inflationsbereinigt ist dort eine Rendite von 4,5% realistisch. Durch den Zinseszinseffekt kommt dann sogar ein nicht zu verachtendes Sümmchen zusammen, obwohl 277 € im Jahr relativ wenig sind (monatliche Sparrate von etwa 23 €). Ich habe einfach einmal angenommen, dass jemand so alt ist wie ich (29 Jahre) und für die nächsten 35 Jahre, also in etwa bis ins Renteneintrittsalter, auf die Zahlung des Kirchengeldes verzichtet und diese 277 € (nicht vergessen, das ist „nur“ der Durchschnittswert aller Deutschen) in den oben genannten ETF anlegt:

 

 

4,5% Rendite; 35 Jahre; jährliche
Sparrate: 277 € (=Kirchensteuer)

Nach 1 Jahr

289

Nach 2 Jahren

592

3

908

4

1.238

5

1.584

6

1.944

7

2.321

8

2.715

9

3.127

10

3.557

11

4.007

12

4.476

13

4.967

14

5.480

15

6.016

16

6.576

17

7.162

 

18

7.774

19

8.413

20

9.081

21

9.779

22

10.509

23

11.271

24

12.068

25

12.900

26

13.770

27

14.679

28

15.629

29

16.622

30

17.659

31

18.744

32

19.876

33

21.060

34

22.298

35

23.590


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Durch den Verzicht auf die Zahlung der Kirchensteuer hätte man so in 35 Jahren also immerhin über 20.000 € gespart. Liegt euer Einkommen höher, als das Durchschnittseinkommen von 32.643 €, auf dem diese Berechnungen basieren, dann würdet ihr noch einmal deutlich mehr einsparen. 

 

Tja und nun? Was tun?

Die durchschnittliche, effektive Kirchensteuer von 277 € ist also gar nicht einmal so wenig. Aktuell gibt es auf den besten Tagesgeldkonten mit deutscher Einlagensicherung vielleicht 0,8% p.a. Verzinsung. Um diese 277 € Kirchensteuer im Jahr durch eine risikoarme Anlage wie Tagesgeld zu erhalten, müsste man also etwa 35.000 € anlegen.

Bei jungen Anlegern, die noch nicht allzu hohe Beträge sparen können, übersteigt das Kirchengeld vermutlich oftmals sogar den Betrag, den man durch Zinsen und Dividenden jährlich einnimmt. Diese Überlegung macht mich schon ein wenig „wütend“: da tüftelt man stundenlang herum, wie man sein Geld am besten anlegen könnte und welche Möglichkeiten sinnvoll sind. Zudem hört man dauernd, dass man privat für das Alter vorsorgen soll. Doch dann wird alles, was man einnimmt, allein durch die Kirchensteuer schon wieder nivelliert.

 

Eine andere Sichtweise

Das ist natürlich auf der einen Seite ärgerlich, allerdings muss man das Ganze auch aus einer anderen Sicht betrachten. Ich habe weiter oben nicht umsonst geschrieben „schön egoistisch in einen ETF anlegen“. Denn tut man dies im Falle der Kirchensteuer, so blendet man den Aspekt aus, dass die Kirche viel „Gutes“ tut. Man betrachtet dann die Kirchensteuer als „unnötige Kosten“, in etwa wie das Rauchen oder der tägliche coffee-to-go. Die Ausgaben für die Kirche kann man jedoch in meinen Augen damit nicht vergleichen, eben weil diese Ausgaben teilweise anderen Menschen zu Gute kommen. Insofern muss man diese Kosten dann als Spende betrachten, die man gerne entrichtet und die man nicht alternativ „egoistisch“ in einen ETF investieren sollte. Denn dieses Geld ist nun mal nicht zum privaten Anlegen gedacht, sondern soll wichtige Dinge für die Allgemeinheit finanzieren.

 

Was man diesem Argument jedoch wieder entgegenhalten kann ist – meiner Meinung nach – dass manche Menschen womöglich einfach lieber selbst entscheiden, wie viel und für was sie „spenden“ möchten und, dass die Kirchensteuer schlichtweg zu hoch ist. Spende ich selbst, kann ich mir genau eine konkrete karitative Einrichtung dafür aussuchen und sehe genau, dass mein Geld dorthin fließt. Außerdem kann ich mich dazu entscheiden, anstatt der 277 € Kirchensteuer vielleicht 100 € jährlich an diese Einrichtung zu spenden.

Sofern man aus der Kirche austritt und sich die Kirchensteuer spart, sollte man genau das auch tun: individuelle Summen an konkrete karitative Einrichtungen spenden, die möglicherweise etwas unter dem – in meinen Augen zu hohen – Kirchensteuerbeträgen liegen. So weiß man, dass das Geld ausschließlich an karitative Einrichtungen fließt. Denn die Kirchensteuer wird für verschiedenste Aspekte verwendet. So wird ein großer Teil für Kosten der Verwaltung, den Pfarrdienst sowie den Erhalt kirchlicher Gebäude verwendet. 

 

Eure Meinung zu diesem Thema würde mich brennend interessieren. Wenn ihr den Artikel über die unten stehenden Buttons auf Facebook, Google+ oder Twitter teilen würdet, wäre das ebenfalls sehr nett. 

Solltet ihr euch weiter mit dem Thema "passives Investieren" beschäftigen wollen, kann ich folgende Lektüre sehr empfehlen:

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