Wie wird man finanziell unabhängig?

Finanzielle Freiheit, Investieren, Dividenden, Rendite, Aktien, ETFs
Quelle: pixabay

Finanzielle Freiheit, oder auch finanzielle Unabhängigkeit. Wer träumt davon nicht? Wie realistisch ist es, diese zu erreichen? Was muss man dafür tun? Und ist das überhaupt erstrebenswert? Was bedeutet überhaupt „finanziell unabhängig“? In diesem Artikel möchte ich meine Gedanken zu diesen Fragen darlegen und auch darauf eingehen, wie ich das Thema für mich persönlich und meine Zukunft sehe. 

Was bedeutet „finanziell unabhängig“?

Wenn man den Leuten sagt „mein Ziel ist es, in 15 Jahren finanziell unabhängig zu sein“ würde man sicherlich oftmals die Antwort erhalten: „Ja sehr witzig, das hätte ich auch gern, nur noch auf 'ner schönen Insel im Liegestuhl liegen und den ganzen Tag faulenzen.“

Hier liegt meiner Meinung nach das erste große Missverständnis zum Thema „finanzielle Unabhängigkeit“. Es geht absolut nicht darum, genug Geld zu haben, um den Rest des Lebens nur noch zu chillen. Meiner Meinung nach geht es darum, nicht mehr den Druck zu verspüren, zwangsläufig und in Vollzeit arbeiten gehen zu müssen, weil sonst am Ende des Monats nicht genug Geld für Miete, Essen, Trinken und alle Rechnungen vorhanden ist.

 

Ich persönlich würde bei finanzieller Unabhängigkeit vermutlich nur noch in Teilzeit arbeiten und nebenher eventuell eigene Projekte starten, auf die ich Lust habe und die möglicherweise mittelfristig dann auch Geld abwerfen würden. Schließlich braucht man auch Aufgaben, sonst wird das Leben sicherlich schnell langweilig. Im Grunde bedeutet finanziell unabhängig also, dass ich eigene, neue Berufsideen starten oder meine Arbeitszeit einschränken kann und trotzdem ausreichend Geld zum Leben zur Verfügung habe. Dass ich also nicht zwangsläufig auf meinen 40-Stunden-Job angewiesen bin, sondern selbst entscheiden kann, was ich tue und was nicht. 

 

So gesehen hat finanzielle Unabhängigkeit nichts mit Reichtum zu tun. Zumindest nicht, wenn man Reichtum in Geld misst. Wenn man Reichtum als „selbst entscheiden, wie viel und was man arbeitet“ definiert, dann sieht das natürlich anders aus. ;-)

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Ab wann ist man finanziell Unabhängig?

Diese Frage ist eigentlich ganz simpel zu beantworten: Schau, was du jeden Monat für Ausgaben hast und rechne das auf ein Jahr hoch. Baue noch Puffer ein für seltenere Dinge und Anschaffungen (Urlaub, Auto, etc.) sowie für Notfälle oder zukünftige Mehrausgaben (Kinder, höhere Miete, etc.). Nun weißt du also grob, wie viel Geld du aktuell und in Zukunft pro Jahr benötigst.

 

Im nächsten Schritt würde ich persönlich mit folgenden Gedanken spielen: Ich nehme mal an, dass ich, selbst wenn es finanziell gesehen nicht mehr notwendig wäre, trotzdem in einem „ganz normalen“ Job in Teilzeit arbeiten würde, einfach weil ich Routine und strukturierte Tagesabläufe mag. Das ist natürlich sehr typabhängig, aber nun berichte ich ja nur von meiner persönlichen Einstellung. Also würde ich weiterhin berechnen, welches Einkommen ich durch diesen Teilzeitjob im Jahr netto generiere. Dazu addiere ich dann weitere Einkommensquellen. Das kann beispielsweise eine (vorsichtshalber möglichst pessimistisch geschätzte) Nebentätigkeit sein, die ich zum Spaß betreiben würde, wie zum Beispiel Coaching im Fitnessstudio. Hier nehme ich dann eine bestimmte, pessimistisch gerechnete (weil noch ungewisse) Summe pro Jahr an. Weitere Quelle sind eventuell Einnahmen durch die eigene Website (gibt’s bei mir noch nicht, aber möglicherweise irgendwann mal) oder andere kreative Dinge, die auch sehr individuell sind.

 

Überlegt euch einfach: Was kann ich und was macht mir Spaß und bringt gleichzeitig möglicherweise etwas Geld ein?

 

Die andere Einnahmequelle sind dann die Erträge durch eure Investitionen: Das was nach der oben beschriebenen Differenz von Ausgaben und Einnahmen noch fehlt, sollte mindestens aus den Zinserträgen eurer Investitionen eingespielt werden. Also aus eurem ETF/Aktien-Portfolio, Festgeld, P2P-Krediten oder was auch immer ihr macht.

 

Mit diesem Gedanken kann man sich dann sehr schön grob berechnen, wie viel man dafür jährlich sparen und anlegen muss, um im Alter von XY Jahren finanziell unabhängig zu sein. Lässt man einmal das Tagesgeld, Festgeld, etc. außer Acht und berücksichtigt lediglich das ETF-Portfolio mit einer realistischen, inflationsbereinigten jährlichen Verzinsung von etwa 4,5% nach Steuern, kann man sich annäherungsweise ausrechnen, wie hoch die Sparrate sein soll, um beispielsweise mit 40, 45, 50 oder 55 Jahren finanziell unabhängig zu sein. 

 

Ein fiktives Beispiel

Konkret würde ich also wie folgt vorgehen: Angenommen durch meinen Halbtagsjob verdiene ich jährlich 12.000 € netto. Durch die beschriebenen Nebentätigkeiten wie Fitnesscoaching oder eine eigene Website oder was auch immer euch Spaß macht nehmen wir einfach einmal 2.000 € netto im Jahr an. Dann kommen wir auf 14.000 € netto. Sagen wir einfach mal, um ganz gut zu leben, brauche ich 2.000 € im Monat, also 24.000 € im Jahr (jeweils netto).

 

24.000 € - 14.000 € = 10.000 €, die mir dann noch im Jahr fehlen und die dementsprechend durch passives Einkommen wie Zinsen und Dividenden eingefahren werden müssten. Über Tagesgeld oder Festgeld ist momentan bei für den Privatanlager halbwegs realistischen Anlagesummen ein Zinsertrag von vielleicht 400 € im Jahr drin. Na toll, fehlen noch immer 9.600 € im Jahr. Diese müssen also durch das ETF-Portfolio eingefahren werden. Rechnet man dies bei einer Nettorendite von 4,5% p.a. (diese nehme ich als bereits inflationsbereinigt und nach Steuern an) einmal durch, bedarf es einer Depotsumme von ungefähr 210.000 €, damit die jährliche Rendite etwa 9.600 € beträgt. 

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Wie realistisch ist das und wie lange dauert es?

Wie realistisch ein Depotwert von etwa 210.000 €, der dann jährlich etwa 9.600 € netto völlig passiv und ohne einen Finger krumm zu machen einfährt ist, hängt natürlich von euch ab. Wie viel wollt ihr und wie viel könnt ihr regelmäßig sparen und in den ETF investieren? Wie viel Geld verdient ihr aktuell und in Zukunft in eurem Job? Wie sind eure Planungen bezüglich Familie und Immobilien?

Je nach Höhe der Sparrate dauert es entsprechend kürzer oder länger, bis die 210.000 € Depotwert erreicht sind.

Durch das Lesen einiger Blogs, die das Thema ETFs behandeln, weiß ich, dass oftmals ein monatlicher Sparbetrag von 500 € (jährlich also etwa 6.000 €) für viele weder zu viel noch zu wenig ist und zumindest langfristig möglich sein sollte. Das wird wohl in etwa 25% des Nettogehalts eines Durchschnittsverdieners sein.

 

Wenn man das Ganze einmal in Excel durchrechnet, habt ihr durch den Zinseszinseffekt nach Pi mal Daumen 20 Jahren die 210.000 € Depotwert erreicht. Zum Vergleich: Spart ihr die oben beschriebenen 6.000 € jährlich einfach nur unter dem Kopfkissen, dann werden in 20 Jahren daraus 20 x 6.000 € = 120.000 €, inflationsbereinigt sind das dann jedoch nur noch etwa 97.000 €. Der Zinseszins bringt euch folglich knapp 113.000 € mehr Geld ein! (210.000 € - 97.000 €).

Klingt eigentlich ganz nett. Wenn ihr jetzt 30 Jahre alt seid, dann würdet ihr mit 50 finanziell unabhängig sein (nach meiner Definition: kein Zwang mehr, Vollzeit arbeiten zu müssen).

 

Spart ihr anstatt 500 € pro Monat 700 € pro Monat in ETFs, habt ihr den Depotwert von 210.000 € bereits nach etwa 16 bis 17 Jahren erreicht. Natürlich kann man das Ganze auch noch früher erreichen, wenn man gleich am Anfang einmalig einen größeren Betrag in die ETFs steckt. Wenn ihr beispielsweise gleich am Anfang 30.000 € in ETFs steckt und danach monatlich 700 € hinzufügt, habt ihr die 210.000 € Depotwert bereits nach etwa 14 Jahren erreicht.

 

So kann man noch zahlreiche weitere, optimistischere oder pessimistischere Szenarien zusammen spinnen. Klar ist jedoch: Finanzielle Unabhängigkeit nach meiner Definition weit vor dem Renteneintrittsalter zu erreichen, ist alles andere als unmöglich.

 

Strebe ich das an?

Die Frage ist, ob das überhaupt erstrebenswert ist. Aktuell macht mir mein Job Spaß und ich habe kein großartiges Problem damit, 40 Stunden pro Woche zu arbeiten. Ich finde 40 Stunden zwar schon grenzwertig, aber noch in Ordnung. Langfristig auf 30 oder sogar 20 Wochenstunden herunterzustufen, kann ich mir jedoch sehr gut vorstellen. Gar nicht mehr arbeiten möchte ich aber nicht, zudem bedarf es dazu eines nochmal erheblich höheren Depotwerts (um die 600.000 €), der eher unrealistisch ist. 

 

Doch selbst wenn ich für immer Vollzeit arbeite: Dann soll dies so sein, weil es mir Spaß macht und nicht, weil ich unbedingt MUSS. Diese Situation strebe ich schon an: Spaß an der Arbeit zu haben, ohne finanziellen Druck zu verspüren.

 

Wie steht ihr zu dem Thema? Wie sieht es bei euch aus?

Über ein „Teilen“ und „Liken“ über die unten stehenden Buttons würde ich mich sehr freuen! 

 

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