Wieso ich Aktien (fast) blind kaufe

In meinem letzten Artikel bezüglich meines Portfolios habe ich kurz erwähnt, dass ich nun zusätzlich zu den ETFs auch einige Dividendenaktien im Depot habe. Dafür gab es verschiedene Gründe. Beispielsweise fallen bei Einzelaktien keine laufenden Kosten an und ich kann dadurch gezielt bestimmte Branchen oder Unternehmen übergewichten. Außerdem ist es unheimlich motivierend quartalsweise Dividenden von tollen Unternehmen zu erhalten. Diesen psychologischen Effekt sollte man nicht vernachlässigen, zumal ich glaube, dass mich die (aktuell aufgrund meiner Depotgröße natürlich noch sehr geringen) Dividendenzahlungen in Krisenzeiten motivieren werden, weiterzumachen. Viele große Unternehmen haben auch in den großen Krisen ihre Dividende nicht gekürzt, bzw. sogar erhöht.

 

Selbstverständlich sollte auch bei den Einzelaktien auf Diversifikation geachtet werden. Einen MSCI World ETF mit über 1.600 Unternehmen wird man natürlich nicht nachbilden können, aber mit etwa 30 Einzelaktien erreicht man meiner Meinung nach eine akzeptable Streuung. Den Großteil des Aktiendepots werden bei mir dennoch weiterhin die ETFs  ausmachen.

 

Bezüglich der Dividendenaktien ist es also mein Ziel, ein Depot von etwa 30 Titeln aufzubauen und dieses anschließend im Laufe der Jahre immer weiter aufzustocken. Verfolgt wird dabei, genau wie bei den ETFs, striktes buy-and-hold. Das Ziel ist also, eine Aktie die ins Depot geholt wird möglichst nicht innerhalb der nächsten 15-20 Jahre zu verkaufen.

 

Wie ich dabei hinsichtlich der Auswahl der Aktien vorgehe und wieso ich auf aufwändige Unternehmensanalysen verzichte, darauf möchte ich heute näher eingehen.

 

Keine Unternehmensanalysen aufgrund des 'ROTI'

Großartige Analysen und das Studieren von Unternehmensberichten erspare ich mir, weil es bei meiner Strategie nicht wirklich hilfreich wäre, beziehungsweise meine Kaufentscheidung nicht beeinflussen würde. Außerdem wäre natürlich der „Return on Time Invested (ROTI)" (= wie hoch ist der Ertrag bei welchem Zeitaufwand?) deutlich schlechter, weil der Zeitaufwand im Vergleich zum Gewinn deutlich höher wäre. Aber wie gehe ich dann vor?

 

Um ehrlich zu sein, ist meine Methode hinsichtlich der Auswahl von Einzelaktien ziemlich banal und einfältig: Es gibt einige tolle Dividendenblogs, die von erfahrenen und kompetenten Personen betrieben werden. Besonders spannend ist, dass viele ihr komplettes Depot samt Höhe der Investitionen offen legen. Obwohl ich selbst dies nicht tun würde, da ich mich damit nicht wohlfühlen würde, muss ich sagen, dass es für den Leser sehr interessant ist die konkrete Aktienauswahl und Investitionshöhe mitzuverfolgen.

 

Uneingeschränkt empfehlen kann ich dabei Blogs wie rente-mit-dividende, Dividendenadel oder auch der leider aktuell nicht mehr vorhandene Blog vom „Dividendenmillionär“, um nur einige zu nennen. Hier erhält man Einsicht in die jeweiligen Depots und wird schnell feststellen, dass sich viele Werte überschneiden, also viele Blogbetreiber teilweise die gleichen Aktien im Depot haben. Dies ist auch nicht verwunderlich, da es sich dabei eben zumeist um die ganz großen, altbewährten Unternehmen handelt, die eine adäquate Dividende an ihre Anleger auszahlen. Um nur einige dieser klassischen Unternehmen zu nennen: Coca-Cola, McDonalds, Microsoft, Exxon Mobil, General Electric, General Mills, Johnson & Johnson, Procter & Gamble, AT & T, Pfizer, Altria, Nestlé, Wal-Mart etc.

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Kaufe, was du täglich kaufst

Vielen dieser zuverlässigen Dividendenzahler ist gemeinsam, dass sie oftmals (nicht immer) Dinge des täglichen Bedarfs produzieren. Holt man sich solche Unternehmen ins Depot, kann man schon einmal nicht allzuviel falsch machen. Frei nach dem Motto: „Kaufe, was du täglich kaufst“. Es ist logisch, dass diese Unternehmen krisensicherer und standhafter sind als Unternehmen, die irgendwelche Nischen bedienen. Essen, Trinken, Hygieneartikel, Tabak, Alkohol, etc. sind Dinge, die die Menschen wollen und immer kaufen werden bzw. die immer notwendig sein werden. Vielen dieser Unternehmen ist außerdem gemeinsam, dass sie sich in den USA befinden.

 

Schaut man sich allein Procter & Gamble an (Jahresumsatz 2016: 65,29 Mrd. $, ca. 105.000 Mitarbeiter) ist es erstaunlich, was sich alles für bekannte Marken dahinter verbergen:

Always und Alldays, Ariel, blend-a-dent, blend-a-med, Braun, Charmin, Crest, Dash, Fairy, Febreze, Gillette, Head & Shoulders, Herbal Essences, Lenor, Meister Proper (ja, tatsächlich auch der), Oral-B, Oil of Olaz, Pampers, Pantene, Swiffer, Wick, etc.

 

Wie wähle ich nun konkret aus?

Ich schaue mir die oben genannten Blogs an und ziehe mir aus diesen verschiedenen Depots die Unternehmen raus, die ich auch persönlich am Interessantesten finde. Diese trage ich in eine Excel-Tabelle ein. Damit ergibt sich dann eine Auswahl von etwa 40 Unternehmen. Der Output entsteht also aus dem Input verschiedener Dividendenblogs plus einer eigenen Einschätzung meinerseits (die aber oftmals eher gefühlsgesteuert ist, ich analysiere also nicht großartig Etwas).

 

Sobald ich dann etwas Geld zum Investieren übrig habe, schaue ich in meine Excel-Tabelle und checke kurz die Kurse dieser Unternehmen. Erscheint mir ein Kurs vergleichsweise niedrig, wird dieses Unternehmen ins Depot geholt. Zu beachten ist, dass der aktuelle Kurs aber nicht überbewertet werden sollte, da Market Timing sowieso nicht funktioniert – ist aber auch ein bisschen eine psychologische Sache (man scheut sich oft zu kaufen, wenn die Kurse sehr hoch sind).

 

Dadurch, dass es sich bei diesen Unternehmen sowieso um die ganz großen, altbewährten Unternehmen handelt und es allein von diesen 30 – 40 extrem Interessante gibt und ich für mein Zieldepot ohnehin nur eine Größe von etwa 30 Unternehmen anpeile, brauche ich nicht großartig analysieren oder unbekannte, zukunftsträchtige Unternehmen recherchieren. Das wäre mir außerdem viel zu unsicher, da ich einfach (das gebe ich absolut ehrlich zu) viel zu wenig Ahnung habe, um zuverlässige Prognosen oder Einschätzungen zur zukünftigen Entwicklung bestimmter Technologien oder kleineren Unternehmen aus sehr speziellen Branchen durchzuführen. Da hätte ich zu viel Angst um mein Geld.

 

Außerdem habe ich auch schlichtweg keine Lust, ewig viel Zeit in solche Analysen zu stecken. Da wären wir wieder beim oben bereits angesprochenen Thema „ROTI“. Dieser würde dann erheblich schlechter ausfallen ;-).

 

Keine Analyse notwendig

Bei den genannten großen, altbewährten Unternehmen muss ich nicht großartig analysieren, beziehungsweise würde alles was ich dann herausfinde, meine Investitionsentscheidung kaum beeinflussen. Die Titel werden einfach nach und nach, je nach dem ob ich Geld zur Verfügung habe und wie die Kurse sind (aktueller Kurs sollte aber – wie oben beschrieben - eigentlich nicht kaufentscheidend sein), gekauft. Anschließend wird einfach genau wie bei den ETFs buy-and-hold (sagt euch diese Begriff nichts? Dann hier nachlesen) betrieben.

 

Die einzelnen Aktien werden übrigens immer in gleicher Höhe gekauft. Ich gewichte also alle Unternehmen gleich. Das angelegte Geld soll möglichst gleichmäßig über die einzelnen Aktien gestreut sein. Der Fokus liegt auf Produkten des täglichen Bedarfs. Dies heißt jedoch nicht, dass ich zu 100% nur solche Unternehmen auswähle.

 

Zum Abschluss noch eine Liste zu den aktuell in meinem „Dividenden-Depot“ befindlichen Unternehmen:

  • BASF
  • Bayer
  • BMW
  • Procter & Gamble
  • Coca Cola
  • General Mills
  • Cisco Systems
  • Pfizer
  • Wal-Mart
  • Activision Blizzard (kein Dividendenzahler)
  • Seven & I Holdings
  • Japan Tobacco

Sobald das Depot Zuwachs bekommt, werde ich berichten :-)

Solltet ihr in Betracht ziehen euch Aktien zuzulegen, kann ich euch die comdirect als Broker empfehlen. Dort kaufe ich selbst all meine Dividenden-Aktien. Es würde mich natürlich freuen, wenn ihr euch über den folgenden Affiliate-Link registriert:

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Kommentare: 6
  • #1

    Sacha Heck (Sonntag, 26 Februar 2017 17:48)

    Hallo Martin,

    Danke für diesen Artikel – in dem ich mich wiedererkenne. Ich bin zwar noch nicht lange dabei in der Aktienwelt, jedoch ist das momentan auch meine Vorgehensweise. Man liest ja viel davon, dass man sich möglichst viel mit einem Unternehmen beschäftigen soll und alles analysieren bevor man rein investiert. Ich bevorzuge ebenfalls Konsumwerte und Dinge die ich kenne. Man kann 1.000 Kennzahlen sich ansehen und vergleichen, im Endeffekt geht es um die Frage: Möchte ich das Unternehmen in meinem Depot haben oder nicht. Wenn ja – kaufen. Bleibt dann die Frage nach dem Timing das ich momentan halt durch nen Aktiensparplan umgehe, also jeden Monat einen festen Betrag rein investiere in die Aktie. Ich fühl mich momentan wohl damit.

    Viele Grüße,
    Sacha

  • #2

    Zinskraft (Montag, 27 Februar 2017 07:28)

    Hallo Sascha,
    danke für deinen Kommentar - dem ist nichts hinzuzufügen :-).

    Einen Sparplan zu starten hatte ich auch überlegt, allerdings sind manche meiner gewünschten Aktien nicht spatplanfähig, deshalb wähle ich die "manuelle Variante".
    Ich warte dann bis ich genug Geld zusammen habe, sodass ein Kauf von den Gebühren her (prozentual gesehen) nicht teurer als die Sparplangebühren wäre und dann schlag ich zu.

  • #3

    Martin B. (Freitag, 03 März 2017 12:27)

    Da ich recht ähnlich vor gehe eine kleine Anmerkung wie es evlt. komfortabler geht:
    Statt in Excel oder eine andere Tabellenkalkulation packe ich mir interessante Kandidaten einfach in eine Watchlist bei meiner Bank. In der Übersicht dort sind dann auch gleich kleine Charts enthalten an denen ziemlich schnell zu erkennen welche Kurse gerade niedrig erscheinen oder wo es Rücksetzer gab.

  • #4

    Zinskraft (Freitag, 03 März 2017 16:39)

    Danke für den Hinweis mit der Watchlist. Werde mir das bei der comdirect mal anschauen.
    Du kaufst dann auch nicht per sparplan sondern wenn genug Geld beisammen ist?

  • #5

    Niklas (Freitag, 17 März 2017 11:16)

    Falls du Branchen oder Dividendentitel in deinem Depot übergewichten möchtest, kann ich dir wärmsten Smart-Beta und Branchen ETFs empfehlen. Hier ist der Vorteil, genau wie bei normalen ETFs, mit relativ wenig Geldeinsatz eine hohe Streuung zu bekommen. Es gibt zum Beispiel ETFs auf den DIVDAX, die in die besten Dividendentitel investiert und laufend Erträge ausschütten. Bei Aktienkäufen fällt meist, wenn man nur geringe Volumina handelt, prozentual ein hoher Initialaufwand an. Und man hat ein relativ hohes Klumpenrisiko, das selbst bei langlaufenden Investments nicht ausgeschlossen werden kann.

    Beste Grüße
    Niklas

  • #6

    freaky finance (Samstag, 18 März 2017 00:37)

    Moin!
    Finde ROTI auch wichtig und hab mittlerweile keinen Bock mehr auf intensive Aktienanalyse. Halte es ähnlich wie du. Ich habe mit der Zeit ein ganz gutes Gespühr für interessante Werte entwickelt. Dann noch mal crosschecken wie die anderen diese beurteilen und gut ist.

    Auf gute Gewinne :)
    Bleib freaky

    Gruss Vincent