Sind Rabatte lukrativer als Zinsen?

Die Zinsen fallen und fallen.

 

In einem Artikel vor einigen Monaten hatte ich darüber berichtet, dass ich ein Termingeldkonto bei der abcBank eingerichtet hatte. Dort gab es zumindest noch 0,85% p.a Zinsen mit dreimonatiger Kündigungsfrist.

Besser als nix, so dachte ich.

 

Im Nachhinein war die Einrichtung dieses Kontos jedoch keine kluge Entscheidung und den Aufwand nicht wert. Denn bereits nach etwa 2 Monaten erhielt ich eine Nachricht der abcBank, dass die Zinsen für besagtes Termingeld von 0,85% p.a. auf 0,55% p.a. gesenkt werden.

 

0,55% p.a. mit einer Kündigungsfrist von drei Monaten? Nein danke. Zudem hat sich auch meine Einstellung etwas geändert. Als ich vor einigen Monaten damit anfing mich mit den Themen „Investieren“ und „Sparen“ auseinanderzusetzen, wollte ich – das kennen sicher einige von euch – möglichst alles optimieren und die perfekte Asset-Allokation erreichen. Mittlerweile sehe ich das Ganze etwas gelassener und bevorzuge mein Tagesgeldkonto bei der DKB (bei der ich ohnehin mein Girokonto habe) zu 0,40% p.a. (bald werden jedoch auch diese auf 0,20% p.a. gesenkt) anstatt eines Extrakontos bei der abcBank mit dreimonatiger Kündigungsfrist, nur um 0,55% p.a. Zinsen zu erreichen. 

 

Worum es mir in diesem Artikel jedoch eigentlich geht: Ich habe festgestellt, dass ich aufgrund der aktuellen Niedrigzinsen bei Tages- und Festgeld deutlich mehr Geld durch Rabattaktionen im Alltag herausholen kann als durch mein Tagesgeldkonto.

Wie unsinnig und unprofitabel vor diesem Hintergrund ein zu verkopftes und vermeintlich optimierendes Denken im Hinblick auf die Asset-Allokation sein kann, darum soll es in diesem Artikel gehen.

Werbung:

Rabattcodes vs. Zinsen auf's Tagesgeld

Ob in der Drogerie, beim Supermarkt, bei McDonald's oder beim Online-Shopping: Bei vielen Dingen des täglichen Bedarfs wie Hygieneartikel oder Nahrungsmittel (in die ich im Übrigen auch bevorzugt investiere, dazu sei auf diesen Artikel verwiesen) gibt es jede Woche eine Menge attraktive Rabatte. Deos, Duschgel, Zahnpasta etc. sind oftmals bei Rossmann phasenweise drastisch reduziert. Gerade für jemanden wie mich, dem es eigentlich schnurzegal ist, welches Duschgel er benutzt, kann man hier immer wieder tolle Rabatte um die 50% abgreifen.

 

Doch auch die Angebotszettel der Supermärkte regen zum einen zu neuen Kochideen an und zeigen zum anderen attraktive Rabatte auf. Meine Vorgehensweise ist dabei wie folgt: Irgendetwas muss ich die Woche über sowieso abends kochen. Also schaue ich kurz, was so alles an interessanten Produkten im Angebot ist. Sehe ich beispielsweise, dass Paprika, Nudeln und Cashewnüsse reduziert sind, gebe ich diese Zutaten in der Chefkoch-App ein und erhalte sofort eine breite Auswahl an leckeren Rezepten, die diese Zutaten enthalten. Und dann wird entsprechend eingekauft.

 

Zusätzlich zu den reduzierten Produkten kann man dann noch PayBack-Punkte sammeln, wodurch sich weitere Vergünstigungen ergeben. Das Tolle daran ist eben: Der Mehraufwand ist gering bis nicht vorhanden und man wird zu neuen Kochideen inspiriert. Zudem ist der ROTI (Return on time invested) unschlagbar, da man mit quasi keinem Zeitaufwand einige Euros sparen kann. Schließlich müsste ich so oder so nach Rezepten suchen, die ich kochen möchte. Der einzige Mehraufwand besteht darin, den Angebotszettel eine Minute zu inspizieren und das macht mir sogar noch Spaß, wegen der Inspiration ;-).

 

Kleinvieh macht auch Mist

Das sind pro Einkauf – je nach Größe des Einkaufs versteht sich – bis zu einigen Euros. Ich gehe konkret von etwa 3 € Ersparnis pro 20 €-Einkauf aus, die sich dadurch sparen lassen, dass Produkte aus dem Angebot gekauft werden.

 

Natürlich fahre ich nicht extra in einen anderen Supermarkt, nur weil dort irgendein Produkt gerade im Angebot ist, aber es gibt auch bei deinem Supermarkt um die Ecke jede Woche genug Angebote, um tolle Gerichte zu zaubern. Zusätzlich kaufe ich natürlich auch Produkte, auf die ich eben einfach gerade Lust habe und die dann nicht im Angebot sind. Es geht ja auch nicht darum, JEDES Produkt eines jeden Einkaufes im Angebot zu kaufen.

 

Zurück zu der 3 €-Ersparnis pro 20 €-Einkauf: Im Monat gebe ich etwa 300 € für Essen & Trinken aus. Das sind im Jahr etwa 3.600 € (12 Monate x 300 €). Bei 3 € Ersparnis pro 20 €-Einkauf sind das folglich etwa 540 € Ersparnis nur durch die Nutzung von Angeboten (3.600 € / 20 € = 180 Einkäufe zu je 20 €, dabei jedes Mal 3 € Ersparnis ergibt 180 x 3 € = 540 €).

 

Und nun vergleiche das einmal mit Tagesgeld: 540 € Ersparnis bei einer Jahreseinkaufssumme von 3.600 € sind 15%. Beim Tagesgeld mit seinen (wenn man Glück hat) 0,40% p.a. werden aus 3.600 € angelegtem Geld nach einem Jahr lediglich 3.615 €, also knapp 15 € Zinsen. Ich persönlich bevorzuge da ganz klar die 540 € anstatt der 15 €.

Werbung:

Sparen im Alltag statt Optimierung der Investments

Nun mag der ein oder andere sagen, dass der Kauf von Nahrungsmitteln nicht mit Investments und Geld anlegen verglichen werden kann. Tatsächlich ist es natürlich ein bisschen Äpfel mit Birnen vergleichen (Einsparen mit Investieren vergleichen).

Mir geht es jedoch vornehmlich darum, sich einmal von dem Gedanken des ewigen Optimierens seiner Investitionen und Geldanlagen etwas zu lösen, da oftmals sehr viel mehr Geld im Alltag eingespart werden kann.

 

Insofern ist – gerade bei den aktuellen Niedrigzinsen – das simple Einsparen von Geld bzw. das Optimieren seiner Fixkosten beispielsweise durch Einkaufen mit Rabattcodes oder dem Wechsel des Smartphone-Tarifs sehr viel lukrativer als das Herumoptimieren beim Tages- oder Festgeld.

 

Darüber sollte man sich einfach einmal Gedanken machen. 

Und wenn man gerade dabei ist kann man auch zusätzlich einige, möglicherweise unnötige Konsumentscheidungen generell hinterfragen. Jeden Tag geht man in die Arbeit, um genug Geld zu verdienen, um sich wiederum den Konsum erkaufen zu können (Urlaube, neuste technische Produkte, neue Kleidung, Auto, Deko, etc).

 

Sollte man stattdessen nicht lieber Arbeit gegen Zeit eintauschen...? Mit Rabattcodes kann vielleicht ein erster kleiner Schritt in diese Richtung getan werden ;-).

 

In diesem Sinne möchte ich mit einem sehr passenden Zitat von Henry Ford abschließen:

 

„Reich wird man nicht durch das, was man verdient, sondern durch das, was man nicht ausgibt“ (Henry Ford).

Teilen:

Melde dich jetzt für den Newsletter an und erhalte - je nach deinem Interesse - mein Zinskraft-Einsteigerprogramm für Kraftaufbau oder meinen Leitfaden "5 Schritte zur finanziellen Unabhängigkeit" kostenlos!


Meine Empfehlung für den Einstieg in das Investieren (Affiliate-Link):


Kommentar schreiben

Kommentare: 7
  • #1

    Michael (Samstag, 04 März 2017)

    Hey, genau das ist auch meine Einstellung.
    Man muss nur die wichtigsten Stellhebel erkennen. Aktuell sind das bestimmt nicht die Zinsen auf den risikolosen Teil der Asset Allocation.
    Lieber das was du geschrieben hast machen: Möglichkeiten im Alltag suchen.
    Hier verbirgt sich oft mehr Ertagspotenzial (oder Verlustvermeidungspotenzial??) als z.B. bei der Suche des perfekten ETF. Perfekt ist oft gar nicht nötig und sogar schädlich, wenn man die Zeitinvestition betrachtet.
    Natürlich ist etwas Recherche wichtig, aber ganz nach dem Pareto-Prinzip sollte man erst die 20% der Stellhebel finden, die 80% des Erfolges ausmachen.

    Wie immer toller Artikel! Weiter so!

    Schöne Grüße,
    Michael

  • #2

    Jonas H. (Samstag, 04 März 2017 20:22)

    Du sagst also man sollte die Asset Allocation im aktuellen Zinsumfeld vernachlässigen und sich intensiver mit dem Einsparpotenzial bei den alltäglichen Ausgaben beschäftigen - das nanntest du effizienter. Und was machst du dann mit dem eingesparten Geld, wenn du dich nicht mehr mit Anlageformen beschäftigst?

  • #3

    Zinskraft (Samstag, 04 März 2017 20:24)

    Hallo Michael,

    Danke für deinen Beitrag. Ja oftmals vergesse ich selbst wie immens viel sich so simpel einsparen lässt. Sobald ich das dann mal hochrechne bin dann wieder motiviert, unnötige Ausgaben zu vermeiden :-)

    Hab gerade mal auf seiner Seite vorbeigeschaut und gleich ein Lesezeichen gesetzt. Sieht interessant aus :)

  • #4

    Jonas H. (Samstag, 04 März 2017 20:25)

    Was du vergisst: Bei Zinserträgen gibt es den Zinseszins. Bei Rabatt-Aktionen nicht. 1€ zu niedrigem Zinssatz angelegt ist immer noch effizienter (über 10, 20 oder 40 Jahre hinweg) als Rabatt-Aktionen. Da spart man einmal!! Der gesparte Betrag vervielfältigt sich nicht von selbst in jedem Jahr

  • #5

    Zinskraft (Samstag, 04 März 2017 20:28)

    @Jonas: Das fließt dann entweder in andere, wichtigere Ausgaben oder eben ins ETF- oder Aktiendepot. Oder eben auch auf das mickrige Tagesgeldkonto das ich bei der DKB habe :)
    Ich bin da ja breit aufgestellt. Es geht nur darum nicht stundenlang nach dem besten Tagesgeld etc zu recherchieren, wenn sich viel leichter viel mehr Geld durch simples Einsparen erreichen lässt

  • #6

    Jonas H. (Samstag, 04 März 2017 20:29)

    Aus meiner Sicht hinkt der Vergleich vorne und hinten. Das ist nicht nur Äpfel und Birnen, sondern Holz und Obst. Das eine ist Ausgabenoptimierung und das andere Anlageform. Das eine kann nicht effizienter als das andere sein, weil es nicht vergleichbar ist. Oder meinst du ein Unternehmen kommt zu dem Schluss keine Produkte mehr zu verkaufen, weil man mehr Geld übrig hat, wenn man an den Kosten spart?

    Beides ist für einen bewusst lebenden Menschen gleichermaßen von Bedeutung. Zumal in deinem Artikel nur die Anlageform "Tagesgeldkonto" existiert. Was ist denn mit Aktien? Da haben wir Aktienanleger in diesem Jahr bereits 3 bis 7% gemacht. Frustriert vom Anlegen abwenden? Dann hat man einfach nur falsch angelegt!

  • #7

    Zinskraft (Samstag, 04 März 2017 20:29)

    @Jonas: genau, deshalb schreib ich auch, dass es wie Äpfel mit Birnen vergleichen ist.
    Aber es geht nur um die unnötige "Herumoptimiererei". Selbstverständlich sollte investiert werden, wie du sagst