Amazon FBA #2 - Die wichtigsten Schritte

Nachdem ich in meinem ersten Artikel zum Thema Amazon FBA vornehmlich auf meine persönliche Motivation und die grundlegende Funktionsweise von Amazon FBA eingegangen bin, soll es heute um die - meiner Meinung nach - wichtigsten Schritte für den Start als Amazon-Seller gehen.

 

In nachfolgenden Artikeln werde ich dann auf diese einzelnen Punkte genauer eingehen, da jeder einzelne Punkt Stoff für mindestens einen Artikel hergibt. Hier möchte ich nur so grob wie möglich die wichtigsten Schritte als Übersichtsliste darstellen; doch selbst diese grobe Liste füllt einen kompletten Blogartikel aus.

 

Die Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit und ist lediglich meinen Recherchen und Notizen bezüglich meines eigenen Starts auf Amazon entsprungen. Auch ich bin noch ganz am Anfang und verkaufe aktuell noch kein Produkt auf Amazon. Allerdings habe ich bereits einige der zahlreichen Schritte, die im Vorfeld zu erledigen sind, durchgeführt. Zu beachten ist, dass die Reihenfolge der Schritte nicht zwangsläufig chronologisch so erfolgen muss, außerdem laufen viele der Schritte parallel ab.

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Amazon FBA - Liste der wichtigsten Schritte

  1. Finde ein Produkt
    Mache dir Gedanken darüber, was für ein Produkt du verbessern kannst oder generell verkaufen willst. Sondiere den Markt: Was verkauft sich wie oft auf Amazon? Was kritisieren die Kunden? Was kannst du an einem Produkt verbessern? Wie viel Konkurrenz gibt es? Wie sind die Preise?

  2. Source das Produkt
    Gehe auf Marktplätze wie beispielsweise „alibaba.com“ und suche nach deiner Produktidee; kontaktiere die Hersteller (oftmals sitzen diese in China), stelle dich vor und frage an, ob deine Änderungswünsche und Optimierungen umsetzbar wären. Formuliere deine Ideen möglichst präzise und baue ein Vertrauensverhältnis zu den Herstellern auf. Vergleiche die Hersteller hinsichtlich Preisen, Erfahrung und Sympathien.

  3. Lass dir ein Sample produzieren
    Bitte den Händler, ein Sample nach deinen Wünschen zu produzieren und dir zuzuschicken. Teste dieses anschließend ausgiebig. Finde heraus, was verbesserungswürdig ist und beschreibe dies dem Händler haargenau. Gehe nicht davon aus, dass beim ersten Sample direkt alles so wird, wie du es dir vorgestellt hast.

  4. Gewerbeanmeldung
    Befasse dich mit den verschiedenen Unternehmensformen (Einzelunternehmen? GmbH? UG?) und wäge Vor- und Nachteile ab. Melde dein Gewerbe beim Gewerbeamt deines Wohnortes an. Fülle den Fragebogen zur steuerlichen Erfassung, der dir nach der Gewerbeanmeldung zugesendet wird, aus und sende ihn an dein Finanzamt. Beantrage gleichzeitig eine Umsatzsteueridentifikationsnummer. Hier musst du dich außerdem entscheiden, ob du die Kleinunternehmerregelung in Anspruch nehmen willst.

  5. Zertifikate
    Finde heraus, welche Zertifikate und Prüfnachweise dein Produkt benötigt, um in der EU in Verkehr gebracht werden zu dürfen. Welche Richtlinien gelten? Was muss geprüft werden? Beauftrage ggf. ein Unternehmen damit, dies für dich herauszufinden. Beauftrage dann entsprechende Prüfungen oder lass dir – falls vorhanden – Zertifikate vom Händler zusenden. Wende dich mit diesen wiederum an die Prüfstellen und lasse die Echtheit der Zertifikate überprüfen.

  6. Markenrecherche und –anmeldung
    Denke dir einen Markennamen für dein Produkt aus und erstelle ein Logo. Recherchiere nicht nur exakt, sondern auch unscharf nach ähnlichen Markennamen und vergleiche die Nizza-Klassen der ähnlich klingenden Marken mit deinem Produkt. Heuere ggf. einen Markenrechtsanwalt an, der diese Aufgaben für dich übernimmt. Registriere anschließend deine Marke beim deutschen Patent- und Markenamt und zahle die entsprechende Gebühr. Recherchiere außerdem nach Patenten und Designs, die du möglicherweise verletzt.

  7. Rentabilität des Produktes
    Benutze den Amazon-FBA-Rechner, um zu checken, ob sich dein Produkt überhaupt rentiert, wie deine Marge aussieht und wie hoch dein Verkaufspreis sein sollte: FBA-Rechner.

  8. Eröffne ein Geschäftskonto und starte die Großproduktion
    Bist du zufrieden mit dem Sample, dann veranlasse die Großproduktion beim Hersteller und einige dich mit ihm auf eine Zahlungsart und Zahlungsaufteilung. Richte dir zuvor ein eigenes Geschäftskonto bei einer Bank ein. Kläre alles zum Versand und zur Zahlungsaufteilung mit dem Händler.

  9. EORI- und Zolltarifnummer
    Beantrage beim Zollamt online eine EORI-Nummer und recherchiere nach der zum Produkt passenden Zolltarifnummer. Die EORI-Nummer identifiziert dich eindeutig als Wirtschaftsbeteiligten und muss auch beim Versand der Ware auf der Rechnung zu finden sein. Die Zolltarifnummer identifiziert die Art von Produkt, die du importieren möchtest.

  10. EAN-Codes
    Kaufe EAN-Codes bei der GS1, um dir Barcodes generieren zu lassen. Einen EAN-Code benötigst du bereits, um dein Produkt in der Amazon Seller Central überhaupt anzulegen. Die Barcodes druckst du (beispielsweise) auf Klebeetiketten und lässt sie entweder vom Händler oder eigenständig auf jede einzelne Verpackung / das Produkt kleben, sodass jedes einzelne Produkt gescannt und identifiziert werden kann. Mache dir in diesem Zusammenhang auch Gedanken über die Verpackung deines Produktes. Aktivierst du in der Amazon Seller Central keinen gemischten Warenbestand, so benötigst du zudem Amazon FNSKU-Codes. Weitere Ausführungen dazu folgen in einem separaten Artikel.

  11. Amazon Seller Central
    Erstelle dir einen Account in der Amazon Seller Central und tätige alle wichtigen Einstellungen. Hinterlege auch deine Umsatzsteueridentifikationsnummer. Überlege, auf welchen Amazon-Marktplätzen du aktiv sein möchtest. Erstelle dein Listing auf Amazon und beachte die wichtigsten Fakten zu Produktfotos, Titel, Bullet-Points, Backend-Keywords etc. Befasse dich ausgiebig mit der Keyword-Recherche und des intelligenten Einsatzes von Keywords in deinem Listing.
    Setze dich auch mit den AGB und Impressumspflichten, die du bei Amazon angeben musst, auseinander. Erstelle einen Anlieferplan im Seller Central, in dem alle Details zur Lieferung deines Produktes zu den Amazon-Logistikzentren geklärt werden.

  12. Transportdienstleister
    Hole dir mehrere Angebote von verschiedenen Logistikern ein, um Transportpreise und –verfahren zu vergleichen. Setze dich mit den Incoterms auseinander und spreche mit dem Logistiker und dem Händler alle Details zur Lieferung ab. Eine gute Koordination ist dabei wichtig. Mache dir auch Gedanken darüber, ob du die große Lieferung zunächst zu dir nach Hause senden lässt oder direkt an's Amazon-Logistikzentrum. Alternativ kannst du auch die Dienste von z.B. servantful in Anspruch nehmen, die für dich die Qualitätskontrolle und die Weiterleitung an Amazon übernehmen.

  13. Betriebs- und Produkthaftpflichtversicherung
    Setze dich mit dem Thema Versicherung auseinander, vergleiche Angebote und schließe eine Haftpflichtversicherung für dein Unternehmen ab.

  14. Rechnungssoftware
    Auch wenn Amazon dir viel abnimmt: Du bist verpflichtet, dem Kunden nach jedem Kauf eine Rechnung zu stellen und zu senden. Dazu benutzt du am besten einen kostenpflichtigen Dienst wie easybill, fastbill oder billbee.

  15. Steuerberater
    Falls du es dir selbst nicht zutraust, engagiere einen Steuerberater, der sich um das Thema Steuern hinsichtlich deines Amazon-Business kümmert. Es gibt einige etwas komplexere Sachverhalte beim Handel auf Amazon. Beispielsweise musst du die Mehrwertsteuer auf Amazon-Gebühren in Deutschland abführen, da Amazon seinen Sitz in Luxemburg hat, der Leistungserfüllungsort jedoch Deutschland ist (Stichwort „Reverse Charge“). Auch solltest du dir Gedanken dazu machen, ob du deine Produkte lediglich in Deutschland lagern und verkaufen möchtest, oder auch in anderen Ländern. Dann wird es nochmals komplexer.

  16. Verpackungslizenzierung
    Du bist aufgrund des anfallenden Verpackungsmülls verpflichtet, an einem „dualen System“ teilzunehmen. Ein solches duales System ist beispielsweise auch der „Grüne Punkt“.

  17. Bewertungen & PPC-Kampagnen
    Ist dein Produkt letztendlich bei Amazon eingetroffen und hast du dein Listing erstellt, ist es deine Aufgabe, erste Verkäufe zu generieren und anschließend PPC-Kampagnen („Pay per Click“) zu starten. Durch diese Werbekampagnen generierst du mehr Klicks und Käufe für dein Produkt. Hierzu gibt es zahlreiche Möglichkeiten und Strategien.

  18. Lagerbestand im Auge behalten
    Extrem ärgerlich ist es, wenn du „Out of Stock“ gehst, wenn es gerade gut läuft. Behalte folglich immer deinen Lagerbestand im Auge.

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Viele Details fehlen

Bitte beachte, dass die soeben besprochene Liste von mir so kurz wie möglich gehalten wurde und viele Details außen vor lässt.

Doch allein die Tatsache, dass die Liste bereits relativ lang ist, obwohl viele Zwischenschritte und Details nicht enthalten sind, zeigt, dass einiges an Aufwand (aber eben auch einiges an neuen Dingen, die du lernst!) und natürlich auch an Kosten auf dich zukommen wird.

 

Dass man mit 500 € durchstarten kann, ist ein Trugschluss. Es hängt natürlich stark von deinem Produkt ab, aber ich denke du solltest mindestens 5.000 € zur Verfügung haben, auf die du nicht zwingend angewiesen bist und die du für die Investition in dein Unternehmen vorsehen solltest.

 

Ich freue mich darauf, in den folgenden Artikeln näher auf die einzelnen Themen einzugehen und meine persönlichen Erfahrungen zu teilen.

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Kommentare: 1
  • #1

    freaky finance (Mittwoch, 05 April 2017 09:48)

    Moin Martin!
    Danke für den Überblick. Auch, wenn er nur grob ist reicht es schon. Das ist mir einfach zu viel! Es ist so viel, dass ich es in absehbarer Zeit nicht schaffen werde, soetwas auch noch auf die Beine zu stellen. Schade, weil das Thema sicher (noch) Potenzial hat.
    Dennoch: Zu zeitintensiv :(

    Aber wenn du einen Teilhaber (Geldgeber) brauchst sag Bescheid :P

    Beste Grüße
    Vincent