Welche Nachteile und Hürden gibt es bei Amazon FBA?

Kommen wir nun noch auf mögliche Nachteile des Geschäftsmodells Amazon FBA, insbesondere im Vergleich mit dem T-Shirt Business und dem Selfpublishing, zu sprechen. Im Prinzip ist Amazon FBA recht simpel - und doch gestaltet es sich komplexer als das T-Shirt-Business und das Kindle-Business. Allein schon aufgrund dem Import von Waren (meist) aus China wird alles etwas komplexer aufgrund der Produktprüfung, Zertifizierung, Verzollung etc., auf die ich in den anderen Unterkapiteln schon eingegangen bin. Somit besteht hier ein größeres Produktrisiko, wenngleich man dieses stark minimieren kann wenn man es korrekt angeht. In jedem Falle empfiehlt sich eine Betriebs- und Produkthaftpflichtversicherung, gerade als Einzelunternehmer. Persönlich nutze ich die Onlineshop-Versicherung der HISCOX*, zu der du über diesen Link gelangst. 

 

Der gesamte Aufwand ist zudem größer, wenn wir es einmal mit dem Selfpublishing oder den Shirts vergleichen. Nicht nur wegen dem angesprochenen Import und den Auflagen, sondern allein schon wegen der Kommunikation mit den Herstellern und dem mehrfachen Test eines Samples. Dies erfordert schlichtweg mehr Zeit und Mühe als ein Buch Korrektur zu lesen oder ein T-Shirt Design zu beauftragen. 

 

Weiterhin ist das benötigte Kapital größer: Während du ein Buch für etwa 300-500 € beauftragen kannst und 100 T-Shirt Designs für etwa 300-400 €, solltest du für dein erstes FBA Produkt eher eine 0 hinten dran hängen ;) Denn damit sich die Sache auch lohnt (im Sinne von akzeptable Einkaufspreise erzielen und nicht nach wenigen Wochen bereits auf dem Trockenen sitzen, weil alle Einheiten verkauft wurden), sollten schon etwa 1.000 Einheiten des Produktes eingekauft werden. Klar gibt es teurere und günstigere Produkte, aber auch bei sehr günstigen Produkten mit einem Verkaufspreis auf Amazon von etwa 9,99 €, sollte man zumindest mit etwa 1,5 € Einkaufspreis rechnen. Hinzu kommen dann eben noch die weiteren Kosten wie Verschiffung, Verzollung, Aufbereitung für Amazon, Samples, Produkttests, Zertifikate, Verpackung etc… Und am Ende sollte nach Abzug aller anfallenden Kosten noch eine Marge von etwa 30 % übrig bleiben (hier nochmal der Verweis auf den FBA-Rechner*, in dem du deine Marge optimal berechnen kannst). 

 

Zudem musst du - anders als bei digitalen Produkten wie eBooks oder Shirt-Designs - beim physischen Produkt auf Amazon ja auch rechtzeitig Ware nachbestellen. Schließlich dauert die erneute Produktion + Verschiffung und Einlagerung bei Amazon locker 2 Monate. Du benötigst also weiteres Kapital, bevor alle Einnahmen von der ersten Charge verbucht sind. Und solltest du bereits an einem zweiten Produkt feilen, benötigst du hierfür natürlich auch wieder Kapital. Etwa 5.000 € solltest du also schon an Kapital für das erste Produkt zur Verfügung haben. Letztlich kommen ja auch noch Kosten für Marketing und Werbeanzeigen hinzu. 

 

Das rechtzeitige Nachbestellen solltest du übrigens wirklich immer auf dem Schirm haben. Dazu betrachtest du den Warenbestand der noch auf Lager ist und schaust, wie viele Einheiten sich im Schnitt pro Tag verkaufen. Dadurch kannst du abschätzen, wann du “out of stock” gehst. Wenn du dann noch die ungefähre Dauer für eine neue Bestellung, Produktion und Verschiffung berechnest, weißt du, wann du spätestens nachbestellen solltest. Für kurze Zeit out of stock zu sein ist nicht tragisch. Wenn es allerdings länger andauert, wirst du im Ranking auf Amazon abgestraft und das gilt es zu vermeiden. 

 

Klingt alles recht nachteilig oder? Warum dann überhaupt FBA nutzen und nicht nur auf’s Selfpublishing oder das Shirt-Business konzentrieren?

 

Wenn du dein Produkt ordentlich recherchiert hast, kannst du mit FBA sehr zügig sehr hohe Umsätze und auch Gewinne verzeichnen. Das Shirt-Business ist da ja doch eher sehr zäh. Auch bei KDP hast du bei den gängigen Selfpublisher-Buchpreisen Einnahmen von etwa 2,50 € pro Verkauf. FBA bietet tendenziell eher die Möglichkeit, mehr Verkäufe und höhere Margen zu erzielen. Sagen wir dein Produkt kostet 19,99 € und deine Marge liegt bei knapp 30%, dann liegst du bei etwa 9 € Gewinn pro Verkauf.  Klar kann man auch umfangreiche Bücher herausbringen und diese teurer verkaufen, aber meiner Erfahrung nach funktioniert das bei gut recherchierten und optimierten physischen Produkten besser. Normalerweise kannst du mit einem ganz gut laufenden FBA Produkt im Monat so viel verdienen wie mit etwa 20 Büchern. Insofern relativiert sich der oben angesprochene hohe Zeit- und Arbeitsaufwand für ein FBA Produkt wieder. 

 

Hinzu kommt, dass ich es irgendwie auch einfach cool finde, ein eigenes Produkt zu entwickeln und auf den Markt zu bringen. Damit kann ich mich besser identifizieren und bin stolzer drauf, als den x-ten Ratgeber bei KDP oder das 2000. Shirtdesign bei MBA hochzuladen. Das liegt wohl einfach daran, dass man so viel Zeit und Mühe in dieses eine Produkt gesteckt hat. Dieser emotionale Aspekt spielt denke ich also auch eine nicht unerhebliche Rolle.


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